Kurzbeschreibung des Kurses
Der spezialisierte Kurs betrachtet Dramaturgie sowohl aus theoretischer als auch aus praktischer Perspektive und konzentriert sich auf die neuesten dramaturgischen Entwicklungen in der zeitgenössischen Theater- und Tanzlandschaft. Im Mittelpunkt stehen nicht nur der (neue) dramaturgische Umgang mit dem Theatertext, sondern auch zeitgenössische Dramaturgien des Körpers, der Medien, des Klangs und der Visualität.
Kursinhalte
Marianne van Kerkhoven charakterisierte die Dramaturgin als Brückenbauerin zwischen Theorie und Praxis, zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Emotion und Vernunft. Diese Zwischenposition der Dramaturgie bildet den Ausgangspunkt des Kurses. Der Kurs besteht aus theoretischen Seminaren, in denen die dramaturgischen Prinzipien des zeitgenössischen Theaters und Tanzes im Zentrum stehen. Darüber hinaus wird Dramaturgie auch als Praxis behandelt – mit performativen Experimenten während der Seminare, dramaturgischen Workshops unter der Leitung von Künstlerinnen und/oder Dramaturginnen aus dem Feld sowie praxisorientierten Seminaren zu Themen wie etwa dem Schreiben von Förderanträgen oder Gesprächsführung mit Publikum und Künstler*innen.
Das Seminar behandelt die Geschichte der Dramaturgie (mit Aristoteles und Lessing) und diskutiert neue dramaturgische Prinzipien und Kooperationsmodelle, die seit dem Aufkommen postdramatischer Theaterpraktiken an Bedeutung gewonnen haben. Wir betrachten den wandelnden Status des Textes im zeitgenössischen Theater, den dramaturgischen Umgang mit Körper, Medien, Klang und Visualität sowie das relativ neue Phänomen der Tanzdramaturgie. Der theoretische Teil des Kurses zielt darauf ab, ein Panorama alternativer Dramaturgien im Licht zeitgenössischer Künstler*innen wie Romeo Castellucci, Forced Entertainment, Rimini Protokoll, Hotel Modern, Rosas und anderen zu analysieren. Obwohl der Schwerpunkt dieser Seminare theoretisch-analytisch ist, werden wir auch den praktischen Einsatz der behandelten dramaturgischen Prinzipien anhand performativer Experimente untersuchen.
Darüber hinaus setzt sich der Kurs auch explizit mit Dramaturgie als Praxis auseinander – sowohl in den praktischen Seminaren (beispielsweise zum Schreiben von Förderanträgen), bei gemeinsamen Vorstellungsbesuchen mit anschließenden Gesprächen als auch in den dramaturgischen Sitzungen. In diesen Sitzungen kommen die Studierenden in kleineren Gruppen und unter der Anleitung von Künstlerinnen und/oder Dramaturginnen aus der Praxis mit den praktischen Aspekten der Produktionsdramaturgie in Berührung.
Kooperationen für dramaturgische Workshops
Für die mit dem Kurs verbundenen dramaturgischen Workshops habe ich mit folgenden Künstler*innen, Kollektiven und Kunstinstitutionen zusammengearbeitet (Auswahl):
Alexander Devriendt (Ontroerend Goed), Benjamin Verdonck, Wunderbaum, Kris Verdonck, Mette Edvardsen, Anne Söderberg, Mette Ingvartsen, Sarah Vanhee, Tinne Van Aerschot, Ariane Loze, NTGent, Vooruit Gent, Campo Gent, P.A.R.T.S., Kaaitheater Brüssel und Workspace Brussels.
Abschlusskompetenzen des Kurses
Verständnis der dramaturgischen Prinzipien der zeitgenössischen Theater- und Tanzlandschaft
Verständnis der dramaturgischen Struktur von Theatertexten
Verständnis des Paradigmenwechsels vom klassischen zum postdramatischen Theater und deren jeweiligen Dramaturgien
Verständnis der neuesten Entwicklungen der Dramaturgie und der Erweiterung des Begriffs
Fähigkeit, dramaturgische Prinzipien in einer praktischen Situation anzuwenden