Politische, soziale & ethische Aspekte des Gegenwartstheaters

Durchführung mehrerer Gastvorträge sowie Mitwirkung an der Betreuung, Organisation und Evaluation des Seminars als (Doktor-)Assistent

Kursinhalte

Viele Inszenierungen des zeitgenössischen Theaters, der Performance und des Tanzes (Christoph Marthaler, Elfriede Jelinek, Rimini Protokoll, Emre Koyuncuoglu, Fatih Akin, Tanja Ostojić), aber auch Videos und Performances von Aktivist*innen (Precarias a la deriva), beziehen sich explizit auf soziale und politische Ereignisse, ohne diese realistisch darzustellen. Das Bild des Nationalstaats und sein Verhältnis zum Theater, Kriegsgeschichten, Wirtschafts- und Finanzkrisen, Armut, die Arbeitsbedingungen im Theater selbst, Migration und sexuelle Identität sind einige der Themen, die in künstlerischen Arbeiten „auftauchen“ – auf die eine oder andere Weise. Künstlerische Performances werden einerseits von anderen Realitäten geprägt und sind andererseits selbst Akteure in der performativen Hervorbringung politischer und sozialer Wirklichkeiten.

Doch wie sind soziale und politische Ereignisse in künstlerischen Inszenierungen präsent, wenn sie nicht repräsentiert werden? Welche theaterwissenschaftlichen Methoden eignen sich, um diese unsichtbaren Schichten sichtbar zu machen? Und wie positioniert sich die Theaterwissenschaft gegenüber der dominanten Präsenz von „Realität“ im Theater?

Dieser Kurs widmet sich diesen Fragen zunächst anhand verschiedener theoretischer Ansätze und anschließend anhand zahlreicher Beispiele aus der künstlerischen Praxis. Besonders hilfreich sind in diesem Zusammenhang die tanzwissenschaftliche Methode der „Kontextanalyse“ (Randy Martin) sowie das Konzept des „precarious life“ (Judith Butler). Die künstlerischen Beispiele (aus Theater, Performancekunst, Tanz und Film) stammen sowohl von renommierten Theatermacherinnen und Institutionen als auch von minoritären Aktivistinnengruppen. Dadurch treten Spannungen zwischen Minderheits- und Mehrheitsgruppen sowie zwischen sogenannter „Hochkultur“ und „Populärkultur“ deutlich hervor.

Unter dem Leitmotiv „Theater und andere Realitäten“ werden zudem unterschiedliche Theatermodelle diskutiert, die beispielsweise Kunst als Gegenbild oder als Bestandteil von Realität verstehen.


Abschlusskompetenzen des Kurses

  • Wissen über zeitgenössische Inszenierungen des politischen Theaters

  • Wissen über performative Formate jenseits des Theaters

  • Kenntnis grundlegender Texte zu den oben beschriebenen Themen

  • Anwendung philosophischer Ansätze in der Performanceanalyse

  • Eigenständige Analyse von Performances in Bezug auf ein selbst gewähltes Thema

  • Kritisches Verständnis der Zusammenhänge zwischen politischen Ereignissen und künstlerischen Entwicklungen

Weitere Informationen

 

Partners
Star/Oracle
Alexa Wilson, Star/Oracle, 2014, Q Theatre (Photo: Jose G Cano)