Visually Speaking. A Research into Visual Strategies of Illusion in Postdramatic Theater

Die jüngsten Entwicklungen in der Theaterpraxis seit der Jahrtausendwende zeigen ein deutlich erneuertes Interesse an der Figur der visuellen Illusion. Diese Tendenz ist bemerkenswert, da das postdramatische Theater traditionell mit einer Abkehr von kohärenter Narration und Illusion in Verbindung gebracht wird. Die vorliegende Forschung untersucht diese Spannung, indem sie versucht zu verstehen, wie die Wiederkehr visueller Illusion sich vor dem Hintergrund einer Theatertradition vollzieht, die für ihre anti-illusionistische Haltung bekannt ist. Die Arbeit analysiert, wie visuelle Illusion auf der Theaterbühne in hochgradig visuellen Dramaturgien konstruiert wird, die komplexe Interaktionen und Austauschprozesse zwischen verschiedenen Medien inszenieren. Gleichzeitig richtet die Analyse den Blick darauf, wie solche Dramaturgien zeitgenössische Vorstellungen von Zuschauer*innenschaft beeinflussen.

Dieser doppelte Ansatz verbindet Theaterwissenschaft und Visual Studies, um das Theater als ein visuelles Ereignis zu begreifen, das sich zwischen Zuschauer*in, dem Objekt des Sehens und kulturell wie historisch spezifischen Sehweisen entfaltet, welche das Verhältnis zwischen beiden vermitteln. Als Beispiel untersucht die Analyse das System der linearen Perspektive und die Praxis des Trompe-l’Œil als zwei zentrale visuelle Strategien der Illusion, die auf der postdramatischen Bühne auftauchen. Indem diese Studie berücksichtigt, wie neue Medien gemäß den Konventionen dieser Strategien auf die Bühne gebracht werden, will sie aufzeigen, wie visuelle Illusion im postdramatischen Theater sich kritisch mit historischen skopischen Regimen auseinandersetzt und zugleich neue, zeitgenössische Formen des Sehens erforscht.

Visually speaking: A research into visual Strategies of Illusion in Postdramatic Theater. 
Doktorarbeit, Universität Gent. Fakultät für Philosophie und Geisteswissenschaften.
Publikationsjahr: 2015
Verteidigt am 8. Januar 2016

Promotor: Prof. Dr. Katharina Pewny
Co-Promotor: Prof. Dr. Christel Stalpaert

Schlagwörter: visuelle Dramaturgie, Neue Medien, Intermedialität, postdramatisches Theater, Visual Studies, W. J. T. Mitchell, Metabilder, Trompe-l’Œil, Perspektive

Benjamin Vandewalle, Point of View, 2013
Benjamin Vandewalle, Point of View, 2013